Das Wissen des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) gründet auf unterschiedlichen, miteinander verbundenen Wissens- und Überlieferungstraditionen.
Dazu gehören:
- klassische Schriften und Werke
- schriftlich überlieferte Lehren
- mündlich überlieferte Lehren
- historische Wissensbestände sowie
- traditionelle und moderne Erkenntnislehren
aus unterschiedlichen Bereichen.
Wissen wird dabei nicht als Ansammlung voneinander isolierter Informationen verstanden.
Entscheidend ist, Quellen, Inhalte, Erfahrungen, Erkenntnisse und überlieferte Zusammenhänge zu bewahren, einzuordnen, zu prüfen, miteinander in Beziehung zu setzen und für Studium, Unterricht und weitere Erkenntnisse verfügbar zu machen.
Während die Ausdrucksform Wissenschaft die Wege und Methoden des Erkenntnisgewinns, der Untersuchung und der Überprüfung in den Mittelpunkt stellt, widmet sich der Bereich Wissen den überlieferten und erschlossenen Wissensinhalten, ihren Quellen und ihren Zusammenhängen.
Die Wissensgrundlage der chinesischen Kulturgeschichte gründet in der Regel auf fünf unterschiedlichen, miteinander verbundenen Wissens- und Überlieferungstraditionen:
- taoistische Wissenschaften und Erkenntnistraditionen
- klassische Schriften und Werke
- historische Lehren und Überlieferungen
- mündliche Überlieferungen
- moderne Wissenschaften
Diese fünf Bereiche bilden unterschiedliche Zugänge zum Wissen.
Die taoistischen Wissenschaften und Erkenntnistraditionen stellen einen wesentlichen historischen und systematischen Bezugsrahmen bereit.
Die klassischen Schriften und Werke bewahren Erkenntnisse, Ordnungsmodelle und Lehrinhalte in schriftlicher Form.
Historische Lehren und Überlieferungen sowie die mündliche Weitergabe von Lehrer zu Schüler tragen Wissen, Erfahrungen und praktische Lehrinhalte über Generationen hinweg weiter.
Die modernen Wissenschaften eröffnen eine weitere Ebene. Sie ermöglichen, überlieferte Aussagen und beobachtete Wirkungen mit heutigen Methoden zu untersuchen, genauer zu beschreiben, zu messen und zu bestätigen, zu differenzieren oder einzugrenzen.
Der Bereich Wissen macht diese Grundlagen und Quellen deshalb systematisch zugänglich.
Im Mittelpunkt stehen hier die konkreten Wissensbestände, Schriften, Überlieferungen, Dokumente und historischen Quellen, während ihre wissenschaftliche Untersuchung und methodische Überprüfung innerhalb der Ausdrucksform Wissenschaft behandelt werden.
Klassische Schriften und Werke
Die klassischen Schriften und Werke bilden einen wichtigen Teil der schriftlich überlieferten Wissensgrundlagen des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳)
Sie bewahren philosophische, kosmologische, medizinische, strategische und mathematisch-numerische Vorstellungen, die zum historischen Erkenntnisraum gehören, in dem auch wesentliche Grundlagen der Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) Systemarchitektur entstanden und weiterentwickelt wurden.
Dabei erfüllen die einzelnen Werke unterschiedliche Funktionen.
Einige behandeln grundlegende Vorstellungen von Tao (道), Ordnung und Veränderung, andere überliefern medizinisches Wissen oder strategische Prinzipien.
Thematische Einordnung der Schriften
- Taoistische Dialektik, Ordnung und Wandlung
- Medizinische Klassiker
- Kampf- und Kriegskunst
Taoistische Dialektik, Ordnung und Wandlung
Tao Te King (道德經)
Das dem Laozi (老子) zugeschriebene Werk gehört zu den grundlegenden Texten der taoistischen Tradition.
Im Mittelpunkt stehen das
Tao (道), seine Wirkungsweise, Natürlichkeit, Wandel, Zurückhaltung und das Prinzip des
Wu Wei (無為) – Wörtlich: Nicht-Handeln; Handeln ohne Zwang und ohne unnötiges Eingreifen – Handeln ohne Erzwingen; ein Handeln im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten und Entwicklungen, ohne unnötigen Widerstand oder künstlichen Zwang.
Wichtig: Wu Wei bedeutet nicht Untätigkeit, sondern ein angemessenes, nicht erzwungenes Handeln.
Dieses Werk trägt besondere Bedeutung für das Verständnis des Tao (道) als übergeordnetes Prinzip.
Zhuangzi (莊子)
Der Zhuangzi (莊子) entwickelt taoistische Vorstellungen in philosophischen Erzählungen, Dialogen und Gleichnissen weiter. Veränderung, Perspektive, Natürlichkeit, Freiheit von starren Kategorien und die Beziehung zwischen Können, Wahrnehmung und spontanem Handeln gehören zu seinen zentralen Themen.
I Ging (易經)
Das I Ging (易經), der Klassiker der Wandlungen, gehört zu den ältesten und einflussreichsten chinesischen Klassikern.
Seine Grundstruktur beruht auf gebrochenen und ungebrochenen Linien, den acht Trigrammen – Pa Kua (八卦) und den daraus gebildeten 64 Hexagrammen (六十四卦).
Es beschreibt Zustände, Beziehungen und Wandlungen innerhalb geordneter Strukturen.
Das I Ging (易經) stellt insbesondere eine wesentliche historische Grundlage für das Verständnis von Entstehung, Veränderung, Polarität, Wandlung und systematischer Ordnung dar.
Medizinische Klassiker
Huangdi Neijing (黃帝內經)
Der Huangdi Neijing (黃帝內經), der Innere Klassiker des Gelben Kaisers, gehört zu den grundlegenden Werken der klassischen chinesischen Medizin (醫學).
Er besteht insbesondere aus dem:
- Suwen (素問)
- Lingshu (靈樞)
Suwen (素問) – Grundlegende Fragen; behandelt vor allem die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin, darunter Yin–Yang (陰陽), Wu Xing (五行), Zang Fu (臟腑), Jing Luo (經絡) sowie die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten.
Lingshu (靈樞) – Numinoser Dreh- und Angelpunkt; behandelt insbesondere Jing Luo (經絡), Akupunktur, Nadeltechniken, Qi (氣) und Xue (血) sowie deren diagnostische und therapeutische Zusammenhänge.
Behandelt werden unter anderem Darstellungen zu Yin–Yang (陰陽), Wu Xing (五行), Zang Fu (臟腑), Jing Luo (經絡), Qi (氣), Xue (血) und Jin Ye (津液) sowie zu Gesundheit, Krankheit, Diagnose und Behandlung.
Nanjing (難經)
Der Nanjing (難經), der Klassiker der schwierigen Fragen, greift medizinische Fragestellungen auf, die sich aus älteren Überlieferungen ergeben, und ordnet beziehungsweise erläutert sie weiter. Das Werk besitzt besondere Bedeutung für die historische Entwicklung medizinischer Theorie und Diagnostik.
Shennong Bencao Jing (神農本草經)
Der Shennong Bencao Jing (神農本草經), der Klassiker der Arzneimittelkunde des Göttlichen Landmanns, gehört zu den frühen grundlegenden Werken der chinesischen Arzneimitteltradition. Er dokumentiert die systematische Beschäftigung mit natürlichen Substanzen und deren unterschiedlichen Wirkungen.
Diese medizinischen Klassiker bilden historische Quellen für jene Wissensbestände, die im Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) insbesondere mit der Ausdrucksform Gesundheit und Heilkunde sowie mit bestimmten Bereichen von:
Qi Kung (氣功)
Nei Kung (內功)
in Beziehung stehen.
Kampf- und Kriegskunst
Sunzi Bingfa (孫子兵法)
Die Sunzi Bingfa (孫子兵法), der Kriegskunst des Sunzi gehört zu den bedeutendsten klassischen Werken chinesischer Strategie.
Im Mittelpunkt stehen nicht einzelne Kampftechniken, sondern Fragen von:
- Strategie
- Planung
- Informationsgewinnung
- Täuschung
- Kräfteverhältnis
- Raum
- Zeit
- Führung
- Anpassung an veränderte Situationen
Die 36 Strategeme (三十六計)
Die Die 36 Strategeme (三十六計) versammeln strategische Denkfiguren, die unterschiedliche Formen:
- indirekten Handelns
- der Täuschung
- Umgehung
- Anpassung und
- Nutzung situativer Vorteile
beschreiben.
Die heute bekannte Sammlung ist historisch jünger als viele der darin enthaltenen strategischen Motive und darf deshalb nicht ohne Weiteres als einheitliches Werk der frühen chinesischen Antike behandelt werden.
Chronologische Übersicht der klassischen Schriften
Die folgende Übersicht ordnet die zuvor behandelten klassischen Schriften nach ihren historischen Entstehungszeiträumen.
Da mehrere dieser Werke über längere Zeiträume entstanden, aus unterschiedlichen Textschichten zusammengesetzt oder später redigiert wurden, sind die Datierungen teilweise nur näherungsweise möglich.
- I Ging (易經) – Klassiker der Wandlungen
Entstehung: Kern des Zhou Yi (周易) etwa 9. Jahrhundert v. Chr.; spätere Kommentarschichten im Laufe des 1. Jahrtausends v. Chr.
Der überlieferte Kern des Zhou Yi gehört damit zu den ältesten der hier behandelten Schriften; die späteren Kommentare erweiterten das Werk um wesentliche philosophische und kosmologische Deutungen.
- Sunzi Bingfa (孫子兵法) – Kriegskunst des Sunzi
Entstehung: wahrscheinlich etwa 5.–4. Jahrhundert v. Chr.
Die genaue Datierung und Entstehungsgeschichte des Werkes sind nicht abschließend geklärt; seine Ursprünge werden gewöhnlich in die späte Frühlings- und Herbstperiode beziehungsweise die frühe Zeit der Streitenden Reiche eingeordnet.
- Tao Te King (道德經)
Entstehung: etwa 5.–3. Jahrhundert v. Chr.; wesentliche Textbildung insbesondere im 4. Jahrhundert v. Chr., relativ stabile Textgestalt wahrscheinlich bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr.
Das Werk entstand wahrscheinlich nicht zu einem einzigen Zeitpunkt, sondern entwickelte sich aus verschiedenen überlieferten Sammlungen und Textschichten.
- Zhuangzi (莊子)
Entstehung: etwa 4.–2. Jahrhundert v. Chr.; älteste Schichten im 4. Jahrhundert v. Chr., spätere Teile in den folgenden Jahrhunderten.
Die sogenannten Inneren Kapitel werden der ältesten Textschicht zugeordnet, während äußere und vermischte Kapitel unterschiedlichen späteren Überlieferungs- und Autorengruppen zugeschrieben werden.
- Huangdi Neijing (黃帝內經) – Innerer Klassiker des Gelben Kaisers
Entstehung: zugrunde liegende Textschichten vor allem etwa 3.–1. Jahrhundert v. Chr.; Kompilation und weitere Redaktion bis in die frühe Kaiserzeit.
Das Werk entstand über einen längeren Zeitraum aus unterschiedlichen medizinischen Überlieferungen und wurde schließlich insbesondere in den beiden Teilen Suwen (素問) und Lingshu (靈樞) überliefert.
- Suwen (素問) – Grundlegende Fragen
- Entstehung: wesentliche Textschichten etwa 3.–1. Jahrhundert v. Chr.; spätere Zusammenstellung und Redaktion in der Kaiserzeit.
- Lingshu (靈樞) – Numinoser Dreh- und Angelpunkt
- Entstehung: auf Grundlage älterer medizinischer Textschichten etwa in den letzten Jahrhunderten v. Chr.; spätere Zusammenstellung und Redaktion in der Kaiserzeit.
- Nanjing (難經) – Klassiker der schwierigen Fragen
Entstehung: wahrscheinlich etwa 1. Jahrhundert n. Chr.
Die genaue Datierung ist nicht vollständig geklärt; eine Zusammenstellung in der Han-Zeit gilt als wahrscheinlich.
- Shennong Bencao Jing (神農本草經) – Klassiker der Arzneimittelkunde des Göttlichen Landmanns
Entstehung: wahrscheinlich etwa 1.–2. Jahrhundert n. Chr.; zugrunde liegende Arzneimittelüberlieferungen teilweise älter.
Das Werk wird im Allgemeinen in den Zusammenhang der Han-Zeit und der frühen Entwicklung systematischer chinesischer Arzneimittelkunde eingeordnet.
- Die 36 Strategeme (三十六計)
Entstehung: einzelne strategische Motive wesentlich älter; die Bezeichnung „36 Strategeme“ ist spätestens seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. Belegt.
Wissens- und Erkenntnistraditionen des historischen China
Das historische China entwickelte über viele Jahrhunderte ein breites Spektrum an Wissens-, Erkenntnis- und Überlieferungstraditionen, deren Grenzen nicht mit den heutigen europäischen Fachdisziplinen übereinstimmen.
- Philosophie (諸子之學)*
- Medizin (醫學)
- Astronomie (天文)
- Mathematik (算學)
- Beobachtung der Natur (觀物)
- Musik (樂)
- Künste (藝)
- Kampf- und Kriegskünste (武藝 und 兵法)
standen vielfach in enger Beziehung zueinander und wurden innerhalb größerer Ordnungs- und Bildungsvorstellungen betrachtet.
Unterschiedliche geistige Schulen entwickelten dabei eigene Zugänge zu Wissen und Erkenntnis.
Dazu gehörten unter anderem:
- die konfuzianische Tradition – Rujia (儒家)
- taoistische Traditionen – Taojia (道家)
- ebenso wie weitere philosophische und praktische Strömungen.
Sie unterschieden sich in ihren Fragestellungen und Methoden, teilten jedoch vielfach das Interesse an Ordnung, Veränderung, Beziehung, menschlichem Handeln und der Stellung des Menschen innerhalb größerer natürlicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Wie umfassend Bildung verstanden werden konnte, zeigen die
Sechs Künste – Liu Yi (六藝):
- Riten – Li (禮)
- Musik – Yue (樂)
- Bogenschießen – She (射)
- Wagenlenken – Yu (御)
- Schrift – Shu (書)
- Zahlen und Rechnen – Shu (數)
Geistige, kulturelle, körperliche, soziale und praktische Fähigkeiten wurden hier nicht als grundsätzlich voneinander getrennte Bildungsbereiche aufgefasst.
Auch der klassische Gegensatz von Wen (文) und Wu (武) verweist auf die Beziehung zwischen kulturell-gelehrter (文) und kämpferisch-militärischer (武) Bildung.
Parallel dazu entstanden umfangreiche Wissensbestände:
- in der Medizin (醫學)
- der Beobachtung des Himmels (天文) und natürlicher Erscheinungen (觀物)
- in mathematischen (算學) und numerischen Ordnungssystemen (數術)
- in den Kampf- und Kriegskünsten (武藝 und 兵法)
Strategisches Wissen findet beispielsweise in der Kriegskunst – Bingfa (兵法) eine eigene Tradition, während medizinische Erkenntnisse in Werken wie dem Huangdi Neijing (黃帝內經) schriftlich überliefert wurden.
Künstlerische Wissensformen entwickelten sich unter anderem in Musik – Yue (樂), Malerei – Hua (畫) und Kalligraphie – Shufa (書法).
(Diese Praktiken werden streng gehütet und geheim gehalten, ausschließlich innerhalb des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) praktiziert und in ihrer ursprünglichen Form nur an ausgewählte Personen weitergegeben.)
(Auch die Kampf- und Kriegskunsttechniken des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) unterliegen diesen Gesetzmäßigkeiten und sind nach ihnen konzipiert.)
Dieser historische Wissensraum ist deshalb von Bedeutung, weil seine Lehre nicht ausschließlich aus einer einzelnen Disziplin heraus verstanden werden kann.
Ihre philosophischen Grundlagen, Ordnungslehren, körperlichen Praktiken, Gesundheitslehren, Kampf- und Kriegskünste (武藝 und 兵法) sowie künstlerischen und erkenntnisbezogenen Bereiche stehen in einem kulturellen Umfeld, in dem Wissen, Können, Beobachtung, empirische Erkenntnis (aus Erfahrung stammendes Wissen) und praktische Anwendung vielfach miteinander verbunden gedacht und weitergegeben wurden.
Der folgende Bereich der taoistischen Wissenschaften und Erkenntnistraditionen vertieft daraus gezielt jene Wissens- und Ordnungsvorstellungen, die für die innere Architektur des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) von besonderer Bedeutung sind.
Taoistische Wissenschaften und Erkenntnistraditionen
Die taoistischen Wissenschaften und Erkenntnistraditionen bilden einen wesentlichen historischen und systematischen Bezugsrahmen.
Der Begriff „Wissenschaften“ bezeichnet hier überlieferte Wissensgebiete, Beobachtungsweisen und Ordnungsmodelle, mit denen Natur, Mensch, Veränderung, Ordnung und ihre Beziehungen beschrieben und untersucht wurden.
Zu diesem Wissensraum gehören unter anderem:
- Medizin (醫學)
- Astronomie (天文)
- Alchemie (丹道)
- Kosmologie (宇宙)
- Mathematisch-numerische Ordnungssysteme (數)
- Taoistische Wissensgrundlagen (道家之學) der Prinzipien (理) und Ordnungslehren (秩序學說)
Sie wurden historisch nicht als vollständig voneinander getrennte Disziplinen verstanden, sondern standen vielfach in enger Beziehung zueinander.
Diese Traditionen sind deshalb bedeutsam, weil sie einen wesentlichen Hintergrund und theoretische Grundlagen des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) und der inneren Systemarchitektur bilden.
Die einzelnen Wissensgebiete und Ordnungssysteme werden im Folgenden gesondert dargestellt.
Medizin | Yixue (醫學)
Die Medizin | Yixue (醫學) gehörte im historischen China zu den bedeutenden Wissensgebieten, in denen Beobachtung, Erfahrung, Systematisierung, Ordnung und praktische Anwendung eng miteinander verbunden wurden.
Die chinesische Medizin (醫學) entwickelte sich dabei aus unterschiedlichen medizinischen und philosophischen Traditionen. Taoistische Erkenntnisvorstellungen bildeten einen wichtigen Teil dieses größeren kulturellen und wissenschaftlichen Umfelds.
Der menschliche Organismus wurde als dynamisches Gefüge miteinander verbundener Funktionen und Prozesse betrachtet. Gesundheit und Krankheit wurden entsprechend nicht ausschließlich einzelnen Organen oder Symptomen zugeordnet, sondern auch über Beziehungen, Veränderungen und Regulationsprozesse beschrieben.
Dabei fanden unter anderem:
- Qi (氣) – Wirkprinzip
- Yin–Yang (陰陽) – komplementäre, polare Wirkprinzipien
- Wu Xing (五行) – die fünf Wandlungsphasen
- Zang Fu (臟腑) – funktionelle Organzusammenhänge
- Jing Luo (經絡) – Leitbahnen
- Xue (血) – Blut
- Jin Ye (津液) – Körperflüssigkeiten
Eingang in medizinische Ordnungs- und Erklärungsmodelle.
Eine besondere Bedeutung besaß die langfristige Beobachtung körperlicher Veränderungen und ihrer Beziehungen zu Lebensweise und Umwelt.
Ernährung, Bewegung, Atmung, Erholung, emotionale Verfassung, Jahreszeiten und andere äußere Bedingungen konnten als miteinander verbundene Einflussgrößen betrachtet werden.
Medizinisches Wissen entstand dadurch aus der Verbindung überlieferter Modelle mit praktischer Erfahrung und fortgesetzter Beobachtung.
Diese Wissenstradition bildet einen wichtigen Hintergrund der Ausdrucksform Gesundheit und Heilkunde sowie der gesundheitlichen Dimensionen von Qi Kung (氣功) und Nei Kung (內功).
Die medizinischen Wissensbestände werden dabei nicht isoliert übernommen, sondern innerhalb der übergeordneten Systemarchitektur in Beziehung zu den Ordnungslehren, körperlichen Praktiken und Erkenntnissen gesetzt.
Die historischen Quellen, in denen wesentliche Teile dieses medizinischen Wissens überliefert wurden, werden im Bereich klassische Schriften und Werke gesondert behandelt.
Astronomie | Tianwen (天文)
Die Astronomie | Tianwen (天文) besitzt im historischen China eine lange Tradition systematischer Himmelsbeobachtung. Sonne, Mond, Sterne, Planeten und andere Himmelserscheinungen wurden über lange Zeiträume beobachtet, beschrieben, verglichen, vermessen sowie zeitlich und räumlich eingeordnet.
Von besonderer Bedeutung war die Verbindung astronomischer Beobachtung mit der Kalenderkunde | Lifa (曆法). Bewegungen von Sonne und Mond, Jahreszeiten, Mondphasen und wiederkehrende Himmelszyklen dienten dazu, Zeit zu gliedern und Kalenderordnungen zu entwickeln.
Astronomisches Wissen stand dadurch in unmittelbarer Beziehung zu Landwirtschaft, gesellschaftlicher Zeitordnung und der Beobachtung natürlicher Rhythmen, aber auch zu den Kampf- und Kriegskünsten (武藝 und 兵法).
Innerhalb taoistischer Erkenntnistraditionen erhielt die Beobachtung des Himmels zusätzlich Bedeutung als Teil einer umfassenderen Betrachtung natürlicher Gesetzmäßigkeiten und wiederkehrender Veränderungen.
Der Himmel wurde dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung zu Erde, Natur und Mensch gesetzt.
Diese Tradition ist vor allem als historischer Hintergrund eines Denkens von Bedeutung, das Rhythmen, Zyklen, Veränderung, Wechselwirkungen und Beziehungen innerhalb größerer Ordnungen berücksichtigt.
Die astronomische Beobachtung selbst bleibt dabei von der Kosmologie (宇宙) zu unterscheiden: Während die Astronomie (天文) konkrete Himmelserscheinungen beobachtet und ordnet, befasst sich die Kosmologie (宇宙) mit den umfassenderen Vorstellungen von Entstehung, Struktur und Ordnung des Kosmos.
Alchemie | Dandao (丹道)
Die Alchemie | Dandao (丹道) entwickelte sich innerhalb taoistischer Traditionen als ein vielschichtiges Feld praktischer und theoretischer Beschäftigung mit Wandlung, Kultivierung und der Erhaltung des Lebens.
Dabei entstanden unterschiedliche alchemistische Richtungen, deren Methoden und Zielsetzungen sich im Laufe der Geschichte erheblich veränderten.
Die äußere Alchemie | Waidan (外丹) arbeitete mit mineralischen, pflanzlichen und anderen Substanzen, die in aufwendigen Verfahren verarbeitet und zu Elixieren verbunden wurden.
Dabei entstanden umfangreiche praktische Kenntnisse über Stoffe und ihre Veränderungen, zugleich wurden jedoch auch Substanzen verwendet, deren gesundheitliche Gefahren aus heutiger Sicht bekannt sind.
Daneben entwickelte sich die innere Alchemie | Neidan (內丹), in der alchemistische Vorstellungen auf Prozesse der menschlichen Kultivierung übertragen wurden.
Körper, Atmung, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und innere Zustände wurden dabei innerhalb eigener Modelle geordnet und durch systematische Übungen beeinflusst.
Begriffe und Bilder der äußeren Alchemie (外丹) erhielten auf dieser Ebene vielfach eine körperliche, energetische oder geistige Bedeutung.
Insbesondere die innere Alchemie (內丹) ist als historischer Bezugsrahmen für Traditionen der inneren Kultivierung von Bedeutung.
Sie steht in Beziehung zu Entwicklungen, aus denen Praktiken der Atem-, Körper- und Aufmerksamkeitsregulation hervorgingen, wie sie auch im Umfeld des Nei Kung (內功) begegnen.
Neidan (內丹) – „innere Alchemie“ und Nei Kung (內功) - „innere Arbeit“ sind dabei nicht gleichzusetzen; sie gehören jedoch zu miteinander verbundenen historischen Feldern chinesischer Körper- und Kultivierungstraditionen.
Kosmos und kosmologische Ordnung | Yuzhou (宇宙)
Kosmologische Vorstellungen innerhalb der historischen chinesischen Erkenntnistraditionen befassen sich mit der Entstehung, Struktur und Ordnung des Kosmos sowie mit der Stellung des Menschen innerhalb dieser Ordnung.
Der klassische Begriff Yuzhou (宇宙) bezeichnet den Kosmos beziehungsweise die Gesamtheit von Raum und Zeit; eng damit verbunden ist die Vorstellung von Himmel und Erde – Tian Di (天地) – als grundlegender Ordnung der natürlichen Welt.
In taoistischen Vorstellungen wird der Kosmos nicht als statisches Gebilde verstanden, sondern als fortwährender Prozess von Entstehung, Veränderung und Wandlung.
Das Tao (道) bildet dabei das übergeordnete Prinzip, aus dem sich die Ordnung der Erscheinungen entfaltet.
Qi (氣) beschreibt innerhalb dieses Zusammenhangs Prozesse und Wirkungen, durch die sich Zustände bilden, verändern und miteinander in Beziehung treten.
Von besonderer Bedeutung ist die Beziehung zwischen Himmel – Tian (天), Erde – Di (地) und Mensch – Ren (人).
Der Mensch wird dabei als Bestandteil derselben natürlichen Ordnung verstanden und nicht außerhalb des kosmischen Zusammenhangs betrachtet.
Veränderungen des Himmels, der Erde und des menschlichen Lebens konnten deshalb innerhalb gemeinsamer Vorstellungen von Rhythmus, Beziehung und Wandlung beschrieben werden.
Diese kosmologische Perspektive bildet einen wichtigen Hintergrund der Systemarchitektur der Lehre des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) – Die Kampfkunst des Himmels und des Feuers.
Sie erklärt, warum Tao (道), Qi (氣) und die Ordnungslehren nicht lediglich auf einzelne Bereiche menschlichen Handelns bezogen werden, sondern als Modelle für Beziehungen, Veränderungen und Ordnungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen verstanden werden müssen.
(Diese Praktiken werden streng gehütet und geheim gehalten, ausschließlich innerhalb des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) praktiziert und in ihrer ursprünglichen Form nur an ausgewählte Personen weitergegeben.)
(Auch die Kampf- und Kriegskunsttechniken des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) unterliegen diesen Gesetzmäßigkeiten und sind nach ihnen konzipiert.)
Mathematisch-numerische Ordnungssysteme
Mathematisch-numerische Ordnungssysteme bilden einen wichtigen Bestandteil der taoistischen Wissens- und Erkenntnistraditionen.
Ihre Strukturen und Beziehungen werden aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für:
- Yin–Yang (陰陽) – komplementäre, polare Wirkprinzipien
- Si Xiang (四象) – Vier Erscheinungen
- Pa Kua (八卦) – Acht Trigramme
- I Ging (易經) – Klassiker der Wandlungen
in einem eigenen Abschnitt ausführlich dargestellt.
→ Zu den mathematisch-numerischen Ordnungssystemen in den taoistischen Erkenntnistraditionen
7.4 Mathematisch-numerische Ordnungssysteme in den taoistischen ErkenntnistraditionenTaoistische Wissensgrundlagen der Prinzipien und Ordnungslehren
Die taoistischen Wissenschaften und Erkenntnistraditionen bilden eine wesentliche Wissensgrundlage.
Aus diesem Erkenntnisrahmen erschließen sich die grundlegenden Prinzipien und Ordnungslehren des Systems: Tao (道) als übergeordnetes Prinzip, Qi (氣) als Wirkprinzip sowie die fünf Ordnungslehren Tai Chi (太極), Yin–Yang (陰陽), Wu Xing (五行), Pa Kua (八卦) und I Ging (易經).
Ihre jeweilige Bedeutung und Funktion innerhalb der Systemarchitektur werden im Bereich Die Lehre ausführlich dargestellt.
→ Tao (道) – das übergeordnete Prinzip
→ Qi (氣) – das Wirkprinzip
→ Tai Chi (太極) – Ordnungslehre – Das „höchste Äußerste“
→ Yin–Yang (陰陽) – Ordnungslehre – komplementäre, polare Wirkprinzipien
→ Wu Xing (五行) – Ordnungslehre – Die fünf Wandlungsphasen
→ Pa Kua (八卦) – Ordnungslehre – Die acht Trigramme
→ I Ging (易經) – Ordnungslehre – Der Klassiker der Wandlungen
Mathematisch-numerische Ordnungssysteme in den taoistischen Erkenntnistraditionen
Zahl, Bild und Ordnung | Shu (數) und Xiang Shu (象數)
Zahlen, räumliche Beziehungen und geordnete Zuordnungen besitzen in den historischen chinesischen Erkenntnistraditionen eine Bedeutung, die über das reine Rechnen hinausgeht.
Der Begriff Shu (數) bezeichnet Zahl und Berechnung, zugleich wurden Zahlen genutzt, um Beziehungen, Positionen, Rhythmen, Zyklen und Ordnungen systematisch darzustellen.
Eine wichtige Tradition bildet die Verbindung von Bild und Zahl – Xiang Shu (象數).
Zahlen, Diagramme und räumliche Anordnungen wurden miteinander verbunden, um komplexe Zusammenhänge in einer geordneten Form sichtbar und beschreibbar zu machen.
Zu den bekannten historischen Ordnungsschemata gehören insbesondere das He-Tu (河圖) und das Luo-Shu (洛書).
He-Tu (河圖) – Flussdiagramm
Das He-Tu (河圖) – Flussdiagramm ist ein traditionelles numerisches Ordnungsschema, in dem die Zahlen eins bis zehn:
- eins (一)
- zwei (二)
- drei (三)
- vier (四)
- fünf (五)
- sechs (六)
- sieben (七)
- acht (八)
- neun (九)
- zehn (十)
nach bestimmten Beziehungen von Yin–Yang (陰陽) – komplementäre, polare Wirkprinzipien, Sifang (四方) – Himmelsrichtungen und Wu Xing (五行) – Die fünf Wandlungsphasen angeordnet werden.
Es dient der Darstellung von Ordnung, Zuordnung und Hervorbringung innerhalb eines kosmologischen Zusammenhangs.
Luo-Shu (洛書) – Schrift des Luo
Das Luo-Shu (洛書) – Schrift des Luo ist ein numerisches Ordnungsschema der Zahlen eins bis neun:
- eins (一)
- zwei (二)
- drei (三)
- vier (四)
- fünf (五)
- sechs (六)
- sieben (七)
- acht (八)
- neun (九)
bei dem die Fünf das Zentrum bildet.
Die Zahlen sind räumlich so angeordnet, dass ihre Beziehungen eine geordnete Struktur von Position, Richtung, Veränderung, Ausgleich und zyklischer Bewegung darstellen.

In der späteren Überlieferung steht das Luo-Shu (洛書) – Schrift des Luo in enger Beziehung zu den Neun Palästen – Jiu Gong (九宮).
Kombinatorische Struktur und mögliche Variationen innerhalb der Yin–Yang (陰陽),
Pa Kua (八卦) und I Ging (易經) Ordnungslehren
Eine besonders klare mathematische Struktur zeigt sich in der Entwicklung von Yin–Yang (陰陽) über Si Xiang (四象) zu Pa Kua (八卦), bis zum I Ging (易經).
Yin–Yang (陰陽) | komplementäre, polare Wirkprinzipien
Ausgangspunkt: zwei unterscheidbare Grundelemente – die gebrochene Yin-Linie (陰爻) und die ungebrochene Yang-Linie (陽爻). Für eine mathematische Darstellung können diese beiden Zustände als:
- Yin (陰) = 0
- Yang (陽) = 1
bezeichnet werden.
Si Xiang (四象) | Vier Erscheinungen
Variationen 2. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“:
V′(k, n) = (k)n
mit
M = {0, 1}, k = |M| = 2, n = 2
(k = Anzahl der zur Verfügung stehenden Elemente)
(n = Anzahl der Stellen bzw. die Klasse der Variation)
also:
V′(2, 2) = (2)2 = 4
Ergebnis: 4 Variationen.
- Die Yin–Yang (陰陽) Variationen = (4)
- Entsprechende gleichwertige zweistellige Binärfolgen = (4)
- Zwei-Bit-Variationen = (4):
Variationen 2. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“
Traditionell werden die Vier Erscheinungen – Si Xiang (四象), die Trigramme des Pa Kua (八卦) und die Hexagramme des I Ging (易經) von unten nach oben aufgebaut und gelesen. Die erste Linie ist jeweils die unterste Linie.
- erste Ziffer = unterste Linie
- letzte Ziffer = oberste Linie
| 00 | 01 | 10 | 11 |
| ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ | ___ ___ _______ | _______ _______ |
Binäre Anordnung und systemische Zuordnungen der vier Erscheinungen – Si Xiang (四象)
| Binär | Si Xiang (四象) | Linien | Name | Systemische Entsprechungen und Zuordnungen | Himmels-richtung | Jahreszeit | Wandlungs- Phasen (五行) |
| 00 | ___ ___ ___ ___ | Yin über Yin | Tai Yin (太陰) Großes Yin | Himmelsrichtungen (四方) | Norden (北) | Winter (冬) | Wasser (水) |
| 01 | _______ ___ ___ | Yang über Yin | Shao Yang (少陽) Kleines Yang | Kampfkunst (武藝) | Osten (東) | Frühling (春) | Holz (木) |
| 10 | ___ ___ _______ | Yin über Yang | Shao Yin (少陰) Kleines Yin | Medizin (醫學) | Westen (西) | Herbst (秋) | Metall ( 金) |
| 11 | _______ _______ | Yang über Yang | Tai Yang (太陽) Großes Yang | 5 Wandlungsphasen (五行) | Süden (南) | Sommer (夏) | Feuer (火) |
Die Mitte (中) mit Erde (土) gehört zur Fünferordnung der Wandlungsphasen (五行), nicht zu den vier Si Xiang (四象).
Si Xiang (四象) bezeichnet die Vier Erscheinungen, die aus der weiteren Differenzierung von Yin (陰) und Yang (陽) hervorgehen:
- Shao Yang (少陽) Kleines Yang (01)
- Tai Yang (太陽) Großes Yang (11)
- Shao Yin (少陰) Kleines Yin (10)
- Tai Yin (太陰) Großes Yin (00)
Sie bilden eine Zwischenstufe zwischen der grundlegenden Polarität von Yin–Yang (陰陽) und komplexeren Ordnungssystemen.
Den vier Erscheinungen lassen sich traditionell die vier Himmelsrichtungen, Jahreszeiten und vier der fünf Wandlungsphasen (五行) zuordnen:
Osten (東) – Frühling (春) – Holz (木)
Süden (南) – Sommer (夏) – Feuer (火)
Westen (西) – Herbst (秋) – Metall (金)
Norden (北) – Winter (冬) – Wasser (水)
Die Wu Xing (五行) erweitern diese Viererordnung um Mitte (中) – Erde (土).
Aus der Viererstruktur der Si Xiang (四象) entsteht damit eine Fünferordnung, in der die vier äußeren Richtungen durch ein zentrales Element ergänzt werden.
Pa Kua (八卦) | Acht Trigramme
Ausgangspunkt: zwei unterscheidbare Grundelemente – die gebrochene Yin-Linie (陰爻) und die ungebrochene Yang-Linie (陽爻). Für eine mathematische Darstellung können diese beiden Zustände als:
- Yin (陰) = 0
- Yang (陽) = 1
bezeichnet werden.
Pa Kua (八卦) = Acht Trigramme
- 八 (Pa) = acht
- 卦 (Kua) = Trigramm bzw. Ordnungszeichen
Variationen 3. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“:
- acht unterschiedlichen Trigramme des Pa Kua (八卦).
- drei übereinander angeordnete Linien, die jeweils entweder als Yin-Linie (陰爻) oder als Yang-Linie (陽爻) ausgeführt sind
- die unterschiedlichen Anordnungen bestimmen die acht Trigramme des Pa Kua (八卦)
V′(k, n) = (k)n
mit
M = {0, 1}, k = |M| = 2, n = 3
(k = Anzahl der zur Verfügung stehenden Elemente)
(n = Anzahl der Stellen bzw. die Klasse der Variation)
also:
V′(2, 3) = (2)3 = 8
Ergebnis: 8 Variationen.
- Die Pa Kua (八卦) Variationen = (8)
- Entsprechende gleichwertige dreistellige Binärfolgen = (8)
- Drei-Bit-Variationen = (8):
Variationen 3. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“
Traditionell werden die Trigramme des Pa Kua (八卦) von unten nach oben aufgebaut und gelesen. Für die Binärdarstellung bedeutet das:
- erste Ziffer = unterste Linie
- zweite Ziffer = mittlere Linie
- dritte Ziffer = oberste Linie
| 000 | 001 | 010 | 011 | 100 | 101 | 110 | 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ _______ ___ ___ | _______ _______ ___ ___ | ___ ___ ___ ___ _______ | _______ ___ ___ _______ | ___ ___ _______ _______ | _______ _______ _______ |
Binärdarstellung der 8 Trigramme = (8)
| 000 | 100 |
| 001 | 101 |
| 010 | 110 |
| 011 | 111 |
Binäre Anordnung und systemische Zuordnungen der acht Trigramme des Pa Kua (八卦)
| Binär | Pa Kua (八卦) | 8 Trigramme | Linien | Name | Himmels-richtung | Jahreszeit | Wandlungs- phasen |
| 000 | ___ ___ ___ ___ ___ ___ | Yin Yin Yin | Kun (坤) Erde | Südwesten (西南) | Spätsommer (夏末) | Erde (土) |
| 001 | _______ ___ ___ ___ ___ | Yang Yin Yin | Gen (艮) Berg | Nordosten (東北) | Spätwinter / Frühling (冬–春) | Erde (土) |
| 010 | ___ ___ _______ ___ ___ | Yin Yang Yin | Kan (坎) Wasser | Norden (北) | Winter (冬) | Wasser (水) |
| 011 | _______ _______ ___ ___ | Yang Yang Yin | Xun (巽) Wind | Südosten (東南) | Spätfrühling / Frühsommer (春–夏) | Holz (木) |
| 100 | ___ ___ ___ ___ _______ | Yin Yin Yang | Zhen (震) Donner | Osten (東) | Frühling (春) | Holz (木) |
| 101 | _______ ___ ___ _______ | Yang Yin Yang | Li (離) Feuer | Süden (南) | Sommer (夏) | Feuer (火) |
| 110 | ___ ___ _______ _______ | Yin Yang Yang | Dui (兌) See | Westen (西) | Herbst (秋) | Metall (金) |
| 111 | _______ _______ _______ | Yang Yang Yang | Qian (乾) Himmel | Nordwesten (西北) | Spätherbst / Frühwinter (秋–冬) | Metall (金) |
| Qian | (乾) | ☰ | 111 | |
| Dui | (兌) | ☱ | 110 | |
| Li | (離) | ☲ | 101 | |
| Zhen | (震) | ☳ | 100 | |
| Xun | (巽) | ☴ | 011 | |
| Kan | (坎) | ☵ | 010 | |
| Gen | (艮) | ☶ | 001 | |
| Kun | (坤) | ☷ | 000 |
→ Zur Ordnungslehre Pa Kua (八卦)
3.3.4 Pa Kua (八卦)I Ging (易經) | Der Klassiker der Wandlungen
Der Klassiker der Wandlungen – 經 (Ging) als kanonischer Klassiker.
Ausgangspunkt: zwei unterscheidbare Grundelemente – die gebrochene Yin-Linie (陰爻) und die ungebrochene Yang-Linie (陽爻). Für eine mathematische Darstellung können diese beiden Zustände als:
- Yin (陰) = 0
- Yang (陽) = 1
bezeichnet werden.
I Ging (易經) = Der Klassiker der Wandlungen (64 Hexagramme der Wandlung)
- 易 (I) = Wandel, Veränderung, Wechsel. Je nach Kontext kann das Zeichen auch Bedeutungen wie „verändern“ oder „wandeln“ tragen.
- 經 (Ging) = Klassiker, kanonische Schrift, grundlegender überlieferter Text. Das Zeichen kann auch „Leitfaden“ oder „klassisches Werk“ bedeuten.
Variationen 6. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“:
Ein Hexagramm des I Ging (易經) besteht aus sechs Linienpositionen.
Für jede Position stehen zwei mögliche Elemente zur Verfügung.
Da sich Yin-Linien (陰爻) und Yang-Linien (陽爻) „wiederholen“ dürfen und ihre Position beziehungsweise Reihenfolge innerhalb des Hexagramms entscheidend ist, handelt es sich mathematisch um Variationen 6. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“.
V′(k, n) = (k)n
mit
M = {0, 1}, k = |M| = 2, n = 6
(k = Anzahl der zur Verfügung stehenden Elemente)
(n = Anzahl der Stellen bzw. die Klasse der Variation)
also:
V′(2, 6) = (2)6 = 64
Ergebnis: 64 Variationen.
- Die I Ging (易經) Variationen = (64)
- Entsprechende gleichwertige sechsstellige Binärfolgen = (64)
- Sechs-Bit-Variationen = (64):
Daraus entstehen genau die 64 unterschiedlichen Hexagramme (六十四卦) des I Ging (易經).
Jedes Hexagramm lässt sich zugleich als Verbindung von zwei Trigrammen verstehen: einem unteren und einem oberen Trigramm, die jeweils aus den acht Trigrammen des Pa Kua (八卦) hervorgehen.
Variationen 6. Klasse aus 2 Elementen „mit Wiederholung“
Traditionell werden die Hexagramme des I Ging (易經) von unten nach oben aufgebaut und gelesen.
Für die Binärdarstellung bedeutet das:
- erste Ziffer = unterste Linie
- zweite Ziffer = zweite Linie von unten
- dritte Ziffer = dritte Linie von unten
- vierte Ziffer = vierte Linie von unten
- fünfte Ziffer = fünfte Linie von unten
- sechste Ziffer = oberste Linie
Binäre Anordnung der 64 Hexagramme (六十四卦) des I Ging (易經)
Die Tabelle ist bewusst binär aufsteigend von 000000 bis 111111 geordnet.
Unter dem jeweiligen chinesischen Namen ist zusätzlich die traditionelle King-Wen-Nummer angegeben.
| Kun (坤) | Bo (剝) | Bi (比) | Guan (觀) | Yu (豫) | Jin (晉) | Cui (萃) | Pi (否) |
| 2 | 23 | 8 | 20 | 16 | 35 | 45 | 12 |
| Feld / Erde | Abschälen / Abtragen | Verbinden / Sich-Anschließen | Betrachten / Beobachten | Vorbereitung / Bereitstellung | Vorrücken / Fortschreiten | Versammeln / Sammlung | Blockierung / Stockung |
| 000 000 | 000 001 | 000 010 | 000 011 | 000 100 | 000 101 | 000 110 | 000 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | _______ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ _______ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ | _______ _______ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ |
| Qian (謙) | Gen (艮) | Jian (蹇) | Jian (漸) | Xiao Guo (小過) | Lü (旅) | Xian (咸) | Dun (遯) |
| 15 | 52 | 39 | 53 | 62 | 56 | 31 | 33 |
| Bescheidenheit / Zurückhaltung | Begrenzung / Stillhalten | Hinken / Erschwernis | allmähliches Fortschreiten | kleines Überschreiten / kleine Verfehlung | Reise / Fremdsein | Zusammenwirken / gegenseitige Einwirkung | Rückzug / Sich-Entziehen |
| 001 000 | 001 001 | 001 010 | 001 011 | 001 100 | 001 101 | 001 110 | 001 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ _______ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ | _______ _______ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ ___ ___ _______ _______ ___ ___ ___ ___ | _______ ___ ___ _______ _______ ___ ___ ___ ___ | ___ ___ _______ _______ _______ ___ ___ ___ ___ | _______ _______ _______ _______ ___ ___ ___ ___ |
| Shi (師) | Meng (蒙) | Kan (坎) | Huan (渙) | Xie (解) | Wei Ji (未濟) | Kun (困) | Song (訟) |
| 7 | 4 | 29 | 59 | 40 | 64 | 47 | 6 |
| Heer / Truppe | Bedeckung / Unreife | Grube / Schlucht | Zerstreuung / Auflösung | Lösen / Auflösen | noch nicht überquert / noch nicht vollendet | Bedrängnis / Eingeschlossenheit | Streit / Rechtsstreit |
| 010 000 | 010 001 | 010 010 | 010 011 | 010 100 | 010 101 | 010 110 | 010 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ | _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ | ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ | _______ _______ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ | ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ _______ ___ ___ | _______ ___ ___ _______ ___ ___ _______ ___ ___ | ___ ___ _______ _______ ___ ___ _______ ___ ___ | _______ _______ _______ ___ ___ _______ ___ ___ |
| Sheng (升) | Gu (蠱) | Jing (井) | Xun (巽) | Heng (恆) | Ding (鼎) | Da Guo (大過) | Gou (姤) |
| 46 | 18 | 48 | 57 | 32 | 50 | 28 | 44 |
| Aufsteigen | Verderbnis / Verfall | Brunnen | Sich-Fügen / Nachgeben | Beständigkeit / Dauer | Dreifußkessel | großes Überschreiten | Begegnung / Zusammentreffen |
| 011 000 | 011 001 | 011 010 | 011 011 | 011 100 | 011 101 | 011 110 | 011 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ _______ ___ ___ | _______ ___ ___ ___ ___ _______ _______ ___ ___ | ___ ___ _______ ___ ___ _______ _______ ___ ___ | _______ _______ ___ ___ _______ _______ ___ ___ | ___ ___ ___ ___ _______ _______ _______ ___ ___ | _______ ___ ___ _______ _______ _______ ___ ___ | ___ ___ _______ _______ _______ _______ ___ ___ | _______ _______ _______ _______ _______ ___ ___ |
| Fu (復) | Yi (頤) | Zhun (屯) | Yi (益) | Zhen (震) | Shi Ke (噬嗑) | Sui (隨) | Wu Wang (無妄) |
| 24 | 27 | 3 | 42 | 51 | 21 | 17 | 25 |
| Rückkehr | Kiefer / Ernährung | Sprießen / beginnendes Wachstum | Vermehrung / Nutzen | Erschüttern / Donner | Beißen und Kauen | Folgen | ohne Falschheit / ohne Verblendung |
| 100 000 | 100 001 | 100 010 | 100 011 | 100 100 | 100 101 | 100 110 | 100 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ | _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ | ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ | _______ _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ | ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ _______ | _______ ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ _______ | ___ ___ _______ _______ ___ ___ ___ ___ _______ | _______ _______ _______ ___ ___ ___ ___ _______ |
| Ming Yi (明夷) | Bi (賁) | Ji Ji (既濟) | Jia Ren (家人) | Feng (豐) | Li (離) | Ge (革) | Tong Ren (同人) |
| 36 | 22 | 63 | 37 | 55 | 30 | 49 | 13 |
| Verletzung des Lichts | Schmücken / Verzieren | bereits überquert / bereits vollendet | Familie / Hausgemeinschaft | Fülle / Überfluss | Leuchten / Glanz | Häutung / Wandel | Gemeinschaft mit Menschen |
| 101 000 | 101 001 | 101 010 | 101 011 | 101 100 | 101 101 | 101 110 | 101 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ _______ | _______ ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ _______ | ___ ___ _______ ___ ___ _______ ___ ___ _______ | _______ _______ ___ ___ _______ ___ ___ _______ | ___ ___ ___ ___ _______ _______ ___ ___ _______ | _______ ___ ___ _______ _______ ___ ___ _______ | ___ ___ _______ _______ _______ ___ ___ _______ | _______ _______ _______ _______ ___ ___ _______ |
| Lin (臨) | Sun (損) | Jie (節) | Zhong Fu (中孚) | Gui Mei (歸妹) | Kui (睽) | Dui (兌) | Lü (履) |
| 19 | 41 | 60 | 61 | 54 | 38 | 58 | 10 |
| Sich-Nähern / Herantreten | Verminderung / Verlust | Abschnitt / Maßhalten | innere Aufrichtigkeit / Vertrauen | Heirat der jüngeren Schwester | Entfremdung / Gegensatz | Öffnung / Austausch | Treten / Beschreiten |
| 110 000 | 110 001 | 110 010 | 110 011 | 110 100 | 110 101 | 110 110 | 110 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ _______ | _______ ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ _______ | ___ ___ _______ ___ ___ ___ ___ _______ _______ | _______ _______ ___ ___ ___ ___ _______ _______ | ___ ___ ___ ___ _______ ___ ___ _______ _______ | _______ ___ ___ _______ ___ ___ _______ _______ | ___ ___ _______ _______ ___ ___ _______ _______ | _______ _______ _______ ___ ___ _______ _______ |
| Tai (泰) | Da Xu (大畜) | Xu (需) | Xiao Xu (小畜) | Da Zhuang (大壯) | Da You (大有) | Guai (夬) | Qian (乾) |
| 11 | 26 | 5 | 9 | 34 | 14 | 43 | 1 |
| Gedeihen / Durchgängigkeit | großes Ansammeln / großes Zurückhalten | Warten / Bedarf | kleines Ansammeln / kleines Zurückhalten | große Stärke / Kräftigung | großer Besitz / Vielhaben | Entscheidung / Durchtrennung | Kraft / Himmel |
| 111 000 | 111 001 | 111 010 | 111 011 | 111 100 | 111 101 | 111 110 | 111 111 |
| ___ ___ ___ ___ ___ ___ _______ _______ _______ | _______ ___ ___ ___ ___ _______ _______ _______ | ___ ___ _______ ___ ___ _______ _______ _______ | _______ _______ ___ ___ _______ _______ _______ | ___ ___ ___ ___ _______ _______ _______ _______ | _______ ___ ___ _______ _______ _______ _______ | ___ ___ _______ _______ _______ _______ _______ | _______ _______ _______ _______ _______ _______ |
Binärdarstellung der 64 Hexagramme (六十四卦)
| 000000 | 000001 | 000010 | 000011 | 000100 | 000101 | 000110 | 000111 |
| 001000 | 001001 | 001010 | 001011 | 001100 | 001101 | 001110 | 001111 |
| 010000 | 010001 | 010010 | 010011 | 010100 | 010101 | 010110 | 010111 |
| 011000 | 011001 | 011010 | 011011 | 011100 | 011101 | 011110 | 011111 |
| 100000 | 100001 | 100010 | 100011 | 100100 | 100101 | 100110 | 100111 |
| 101000 | 101001 | 101010 | 101011 | 101100 | 101101 | 101110 | 101111 |
| 110000 | 110001 | 110010 | 110011 | 110100 | 110101 | 110110 | 110111 |
| 111000 | 111001 | 111010 | 111011 | 111100 | 111101 | 111110 | 111111 |
Alle 64 Hexagramme (六十四卦) in der traditionellen King-Wen-Reihenfolge, die deutsche Grundbedeutung ist möglichst nah am chinesischen Originalnamen wiedergegeben:
(01) Qian (乾) – Kraft | Himmel
(02) Kun (坤) – Erde | Feld
(03) Zhun (屯) – Sprießen | beginnendes Wachstum
(04) Meng (蒙) – Bedeckung | Unreife
(05) Xu (需) – Warten | Bedarf
(06) Song (訟) – Streit | Rechtsstreit
(07) Shi (師) – Heer | Truppe
(08) Bi (比) – Verbinden | Sich-Anschließen
(09) Xiao Xu (小畜) – kleines Ansammeln | kleines Zurückhalten
(10) Lü (履) – Treten | Beschreiten
(11) Tai (泰) – Gedeihen | Durchgängigkeit
(12) Pi (否) – Blockierung | Stockung
(13) Tong Ren (同人) – Gemeinschaft mit Menschen
(14) Da You (大有) – großer Besitz | Vielhaben
(15) Qian (謙) – Bescheidenheit | Zurückhaltung
(16) Yu (豫) – Vorbereitung | Bereitstellung
(17) Sui (隨) – Folgen
(18) Gu (蠱) – Verderbnis | Verfall
(19) Lin (臨) – Sich-Nähern | Herantreten
(20) Guan (觀) – Betrachten | Beobachten
(21) Shi Ke (噬嗑) – Beißen und Kauen
(22) Bi (賁) – Schmücken | Verzieren
(23) Bo (剝) – Abschälen | Abtragen
(24) Fu (復) – Rückkehr
(25) Wu Wang (無妄) – ohne Falschheit | ohne Verblendung
(26) Da Xu (大畜) – großes Ansammeln | großes Zurückhalten
(27) Yi (頤) – Kiefer | Ernährung
(28) Da Guo (大過) – großes Überschreiten
(29) Kan (坎) – Grube | Schlucht
(30) Li (離) – Leuchten | Glanz
(31) Xian (咸) – Zusammenwirken | gegenseitige Einwirkung
(32) Heng (恆) – Beständigkeit | Dauer
(33) Dun (遯) – Rückzug | Sich-Entziehen
(34) Da Zhuang (大壯) – große Stärke | Kräftigung
(35) Jin (晉) – Vorrücken | Fortschreiten
(36) Ming Yi (明夷) – Verletzung des Lichts
(37) Jia Ren (家人) – Familie | Hausgemeinschaft
(38) Kui (睽) – Entfremdung | Gegensatz
(39) Jian (蹇) – Hinken | Erschwernis
(40) Xie (解) – Lösen | Auflösen
(41) Sun (損) – Verminderung | Verlust
(42) Yi (益) – Vermehrung | Nutzen
(43) Guai (夬) – Entscheidung | Durchtrennung
(44) Gou (姤) – Begegnung | Zusammentreffen
(45) Cui (萃) – Versammeln | Sammlung
(46) Sheng (升) – Aufsteigen
(47) Kun (困) – Bedrängnis | Eingeschlossenheit
(48) Jing (井) – Brunnen
(49) Ge (革) – Häutung | Wandel
(50) Ding (鼎) – Dreifußkessel
(51) Zhen (震) – Erschüttern | Donner
(52) Gen (艮) – Begrenzung | Stillhalten
(53) Jian (漸) – allmähliches Fortschreiten
(54) Gui Mei (歸妹) – Heirat der jüngeren Schwester
(55) Feng (豐) – Fülle | Überfluss
(56) Lü (旅) – Reise | Fremdsein
(57) Xun (巽) – Sich-Fügen | Nachgeben
(58) Dui (兌) – Öffnung | Austausch
(59) Huan (渙) – Zerstreuung | Auflösung
(60) Jie (節) – Abschnitt | Maßhalten
(61) Zhong Fu (中孚) – innere Aufrichtigkeit | Vertrauen
(62) Xiao Guo (小過) – kleines Überschreiten | kleine Verfehlung
(63) Ji Ji (既濟) – bereits überquert | bereits vollendet
(64) Wei Ji (未濟) – noch nicht überquert | noch nicht vollendet
Die kampfkünstlerische Bedeutung und Anwendung der acht Trigramme (八卦) und der 64 Hexagramme
(六十四卦):
- kampfkünstlerische Bedeutung und Anwendung der acht Trigramme (八卦)
- kampfkünstlerische Bedeutung und Anwendung der 64 Hexagramme (六十四卦)
(Diese Praktiken werden streng gehütet und geheim gehalten, ausschließlich innerhalb des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) praktiziert und in ihrer ursprünglichen Form nur an ausgewählte Personen weitergegeben.)
(Auch die Kampf- und Kriegskunsttechniken des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) unterliegen diesen Gesetzmäßigkeiten und sind nach ihnen konzipiert.)
Über Yin–Yang (陰陽) zu
Si Xiang (四象) entstehen geordnete Anordnungen.
Über Yin–Yang (陰陽) zu
Pa Kua (八卦) acht Trigramme
Aus den beiden Grundelementen Yin (陰) und Yang (陽) entstehen (acht Trigramme) durch ihre geordnete Anordnung auf drei Positionen.
Über Yin–Yang (陰陽) zu
I Ging (易經) 64 Hexagramme (六十四卦)
Aus den beiden Grundelementen Yin (陰) und Yang (陽) entstehen (64 Hexagramme) durch ihre geordnete Anordnung auf sechs Positionen.
Diese kombinatorische Struktur beschreibt nur die mathematisch-formale Seite der drei Ordnungslehren.
Ihre philosophische, erkenntnistheoretische und praktische Bedeutung innerhalb des
Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) – Die Kampfkunst des Himmels und des Feuers wird auf den jeweiligen Seiten der Lehre gesondert behandelt.
Für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) sind mathematisch-numerische Ordnungssysteme vor allem deshalb bedeutsam, weil sie zeigen, wie Zahlen, Positionen, Beziehungen, Veränderungen und Strukturen miteinander verbunden werden können.
Sie bilden damit einen historischen Hintergrund für jene systematische Ordnung, die auch in verschiedenen Bereichen der Lehre wiederkehrt.
Traditionelle Erkenntnisse und moderne Wissenschaft
Traditionelle Erkenntnissysteme und moderne Wissenschaft entstanden in unterschiedlichen historischen, kulturellen und methodischen Zusammenhängen.
Dennoch lassen sich in einzelnen Bereichen bemerkenswerte Berührungspunkte, strukturelle Parallelen und vergleichbare Fragestellungen erkennen.
Im Mittelpunkt dieses Abschnitts stehen deshalb konkrete Beispiele, an denen traditionelle Ordnungs- und Erkenntnismodelle mit späteren wissenschaftlichen Entwicklungen in Beziehung gesetzt werden können.
Dabei werden historische Zusammenhänge, tatsächliche Übereinstimmungen und wissenschaftlich belegbare Aussagen ebenso berücksichtigt wie die Grenzen solcher Vergleiche.
Für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) eröffnet dieser Vergleich die Möglichkeit, überlieferte Wissensbestände aus heutiger Perspektive genauer zu untersuchen und ihre Strukturen, Aussagen und möglichen Entsprechungen differenziert einzuordnen.
Leibniz, Yin (陰) und Yang (陽) und die binäre Arithmetik
Explication de l’Arithmétique Binaire
Leibniz beschäftigte sich intensiv mit der chinesischen Philosophie und sah gerade in ihren grundlegenden Ordnungsstrukturen Hinweise darauf, dass die alten Chinesen bereits sehr früh fundamentale Prinzipien der Wirklichkeit erkannt hatten.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Leibniz die gebrochene Yin-Linie (陰爻) mit (0) und die ungebrochene Yang-Linie (陽爻) mit (1) in Beziehung setzte.
Was die Frage nach einer chinesischen Herkunft von Leibniz’ binärem Denken betrifft, ist die Chronologie eindeutig:
Leibniz beschäftigte sich bereits 1679 mit seiner dyadischen Arithmetik und entwickelte sein binäres Zahlensystem somit unabhängig von seiner späteren Kenntnis der chinesischen „Figuren“.
Bemerkenswert ist jedoch, dass Leibniz selbst in seiner späteren Interpretation erheblich weiterging.
Nachdem der in China tätige Jesuit Joachim Bouvet ihn auf die Übereinstimmung mit den überlieferten Figuren des I Ging (易經) aufmerksam gemacht und ihm 1701 entsprechende Darstellungen übermittelt hatte, betrachtete Leibniz diese nicht lediglich als zufällige formale Ähnlichkeit.
Vielmehr glaubte er, in ihnen eine sehr alte Ausprägung derselben grundlegenden mathematischen Ordnung wiederzuerkennen.
In seiner 1703 verfassten Explication de l’Arithmétique Binaire stellte Leibniz ausdrücklich die Beziehung zwischen der binären Arithmetik und den alten chinesischen „Figuren“ her.
Dabei ordnete er der durchgezogenen Linie die (1) und der unterbrochenen Linie die (0) zu.
In seiner Auseinandersetzung mit der chinesischen Geistesgeschichte ging er schließlich sogar so weit, die ursprüngliche Entdeckung des binären Prinzips nicht sich selbst, sondern dem überlieferten chinesischen Urheber dieser „Figuren“ zuzuschreiben.
Daraus lassen sich mehrere wesentliche Aussagen ableiten:
- Leibniz erkannte in Yin (陰) und Yang (陽) beziehungsweise in der Polarität der gebrochenen und ungebrochenen Linien dasselbe grundlegende Zweiheitsprinzip, das sich in seiner binären Arithmetik mathematisch durch (0) und (1) ausdrücken ließ.
- Obwohl Leibniz seine binäre Arithmetik unabhängig entwickelte, betrachtete er die chinesischen „Figuren“ später selbst als eine sehr alte Ausprägung beziehungsweise einen Vorläufer derselben mathematischen Ordnungsstruktur.
Yin–Yang (陰陽) beschreibt nicht lediglich zwei voneinander getrennte Zustände, sondern eine dynamische Polarität:
Yin–Yang (陰陽) ist jedoch konzeptionell umfassender als ein Binärsystem.
Yin (陰) ⇄ Yang (陽)
Yin (陰) und Yang (陽) stehen in gegenseitiger Abhängigkeit, bedingen einander und unterliegen fortwährender Veränderung, Abstufung, Wechselwirkung und Rückkehr.
Es wäre zu stark vereinfachend, Yin–Yang (陰陽) lediglich als ein „altes chinesisches Binärsystem“ zu bezeichnen.
Historisch gut vertretbar ist hingegen die These, dass das Prinzip, Wirklichkeit anhand zweier komplementärer Grundzustände systematisch zu differenzieren und deren Beziehungen in geordneten Strukturen darzustellen, in China bereits viele Jahrhunderte vor Leibniz ausgeprägt war.
Leibniz überführte das Denken in zwei Grundzuständen später unabhängig davon in eine mathematisch-formale Ordnung.
In diesem Sinne lässt sich das chinesische Yin–Yang (陰陽) als ein viel älterer Vorläufer eines binären Ordnungsdenkens verstehen, das bei Leibniz schließlich eine mathematische Ausprägung in Form der binären Arithmetik erhielt.
Diese Sichtweise, scheinbare Gegensätze nicht als unvereinbare Pole, sondern als miteinander verbundene und sich ergänzende Prinzipien zu verstehen, unterscheidet sich grundlegend von streng dualistischen Denkmodellen.
Sie ermöglichte eine differenzierte Betrachtung körperlicher Prozesse und ihrer Einbindung in natürliche Zusammenhänge sowie die Übertragung der daraus gewonnenen Erkenntnisse auf die Bewegungslehre in bemerkenswerter Konsequenz und Präzision.
Tao (道), Qi (氣) und moderne Physik
Die moderne Physik hat das Verständnis von Raum, Zeit, Materie, Bewegung und Wechselwirkung grundlegend verändert.
Besonders die Relativitätstheorie Albert Einsteins zeigte, dass Raum und Zeit nicht als voneinander unabhängige, absolut unveränderliche Größen betrachtet werden können. Messungen von Zeit und Raum hängen von Bewegung und Gravitation ab, während die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum eine fundamentale Rolle innerhalb dieser physikalischen Beschreibung einnimmt.
Solche Erkenntnisse weisen keine historische oder wissenschaftliche Identität mit Tao (道) oder Qi (氣) nach.
Sie eröffnen jedoch interessante Vergleichsmöglichkeiten zu einem Denken, das Wirklichkeit nicht ausschließlich über isolierte Dinge, sondern über Beziehungen, Prozesse, Veränderungen, Wechselwirkungen und gegenseitige Abhängigkeiten betrachtet.
Gerade auf dieser strukturellen Ebene können traditionelle Erkenntnismodelle und moderne wissenschaftliche Beschreibungen miteinander verglichen werden.
Innerhalb des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) bildet das Tao (道) das übergeordnete Prinzip, während Qi (氣) als Wirkprinzip verstanden wird.
Qi (氣) wird dabei konkret als Vektorgröße und zugleich als Informationsträger gefasst: Eine Wirkung besitzt Intensität und Richtung und vermittelt zugleich Informationen über Zustände, Veränderungen und Beziehungen innerhalb eines Systems.
Diese systeminterne Bestimmung erlaubt eine präzisere Untersuchung als die unspezifische Gleichsetzung von Qi (氣) mit „Energie“.
Moderne Physik arbeitet ebenfalls mit Größen wie Richtung, Betrag, Wechselwirkung, Feldern und Information.
Daraus folgt jedoch nicht, dass Qi (氣) mit einer physikalischen Energieform, einem Feld oder einer anderen bekannten physikalischen Größe gleichgesetzt werden kann.
Eine solche Identifikation müsste durch eindeutige Definitionen, Messverfahren und reproduzierbare Befunde begründet werden.
Gerade diese Unterscheidung ist für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) wichtig:
Traditionelle Begriffe können Ausgangspunkte für Fragestellungen und Modelle liefern, während die moderne Physik andere methodische Voraussetzungen und mathematisch präzise Begriffe verwendet. Interessant ist deshalb weniger eine nachträgliche Gleichsetzung als die Frage, welche traditionellen Vorstellungen sich operationalisieren, messen und wissenschaftlich untersuchen lassen.
Das physikalische Verständnis der Richtung der Zeit ist vom relativistischen Denken über die Zeitmessung zu unterscheiden.
Die Multidimensionalität, Tao (道) und Qi (氣)
(Diese Praktiken werden streng gehütet und geheim gehalten, ausschließlich innerhalb des Qian Li Wing Chun Chuan | Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) praktiziert und in ihrer ursprünglichen Form nur an ausgewählte Personen weitergegeben.)
(Auch die Kampf- und Kriegskunsttechniken des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) unterliegen diesen Gesetzmäßigkeiten und sind nach ihnen konzipiert.)
Für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) liegt der Wert des Vergleichs daher gerade in einer präzisen Gegenüberstellung unterschiedlicher Erkenntnismodelle:
Tao (道) und Qi (氣) werden aus ihrer eigenen Systematik heraus verstanden, während moderne physikalische Erkenntnisse dort herangezogen werden, wo sie konkrete Aussagen untersuchen, differenzieren oder messbar machen können.
Klassische chinesische Medizin (醫學) und moderne Medizin
Die klassische chinesische Medizin (醫學) und die moderne Medizin beruhen auf unterschiedlichen historischen Entwicklungen, Begriffssystemen und Methoden.
Während die klassische chinesische Medizin körperliche Vorgänge unter anderem mit Modellen wie:
- Qi (氣) – Wirkprinzip
- Yin–Yang (陰陽) – komplementäre, polare Wirkprinzipien
- Wu Xing (五行) – die fünf Wandlungsphasen
- Zang Fu (臟腑) – funktionelle Organzusammenhänge
- Jing Luo (經絡) – Leitbahnen
erklärt, beschreibt die moderne Medizin den menschlichen Organismus auf der Grundlage von Anatomie, Physiologie, Biochemie, Molekularbiologie und anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen.
Die unterschiedlichen Begriffe bedeuten nicht zwangsläufig, dass sich beide Traditionen stets mit völlig verschiedenen Phänomenen beschäftigen.
Körperliche Regulation, Organfunktion, Durchblutung, Atmung, Bewegung, Ernährung, Belastung, Erholung und die Anpassung des Organismus an veränderte Bedingungen gehören zu Fragestellungen, die aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht und beschrieben werden können.
Entscheidend ist dabei, traditionelle Erklärungsmodelle nicht vorschnell mit modernen physiologischen Begriffen gleichzusetzen.
Moderne wissenschaftliche Methoden ermöglichen es, konkrete traditionelle Verfahren und ihre Wirkungen unabhängig von ihrer historischen Erklärung zu untersuchen.
Gezielt ausgeführte asymmetrische Bewegungs- und Atemübungen, koordinative Praktiken, Entspannungsverfahren, bestimmte Formen körperlicher Regulation oder einzelne therapeutische Verfahren können zur gezielten Beeinflussung von Herz-Kreislauf-Funktionen, Muskelaktivität, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Stressreaktionen sowie neurologischen und anderen messbaren Veränderungen effizient eingesetzt werden.
Für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) ist diese Erkenntnis besonders wichtig.
Überlieferte medizinische Vorstellungen bilden eine seiner Wissensgrundlagen, während moderne Medizin und Naturwissenschaften Möglichkeiten eröffnen, einzelne Aussagen, Praktiken und beobachtete Wirkungen zu untersuchen, zu differenzieren und präziser zu beschreiben.
Traditionelle Terminologie und moderne medizinische Terminologie behalten dabei jeweils ihren eigenen Bedeutungsrahmen.
Der Vergleich verfolgt deshalb weder das Ziel, die klassische chinesische Medizin (醫學) nachträglich zur modernen Medizin zu erklären, noch sie allein aufgrund ihres Alters zu bestätigen oder zu verwerfen.
Von Interesse ist vielmehr, welche beobachteten Zusammenhänge sich mit heutigen Methoden nachvollziehen lassen, wo sich unterschiedliche Beschreibungsmodelle auf vergleichbare Vorgänge beziehen und an welchen Stellen ihre Voraussetzungen und Aussagen voneinander abweichen.
Blutgruppen | Xuexing (血型) und Yin–Yang (陰陽) – ein vergleichendes Ordnungsmodell
Das AB0-Blutgruppensystem unterscheidet vier grundlegende Blutgruppen: 0, A, B und AB.
Innerhalb des Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) lässt sich diese Viererstruktur vergleichend den aus Yin (陰) und Yang (陽) hervorgehenden Vier Erscheinungen – Si Xiang (四象) gegenüberstellen.
Dabei handelt es sich zunächst um ein Ordnungsmodell, weniger um eine medizinische Gleichsetzung.
Die Vier Erscheinungen (四象) beschreiben eine weitere Differenzierung der grundlegenden Polarität von Yin (陰) und Yang (陽) in vier unterschiedliche Konstellationen.
Dadurch entsteht formal eine Struktur, die sich mit der Vierzahl des AB0-Systems vergleichen lässt.
Für das Q.L.W.C.C. (乾 離 詠 春 拳) ist dabei insbesondere die Frage von Interesse, ob sich über eine solche Zuordnung hinaus systematische Zusammenhänge zwischen biologischen Merkmalen und den traditionellen Ordnungsmodellen untersuchen lassen.